Focus online:
29.7.2010
Atomindustrie dringt auf „15 Jahre plus X“
KRÜMMEL. Ein leises Sirren liegt in der Luft. Zwei Schweißer sitzen am Computer und kontrollieren auf dem Bildschirm die Arbeiten an einer Armatur. Antje Schröter wirft einen Blick auf den Monitor. Dies sind die zeitaufwendigsten Arbeiten, die sie hat koordinieren müssen, seit sie vor gut zwei Jahren die Leitung des neu geschaffenen Bereichs Revisionskoordination im Kernkraftwerk Krümmel übernommen hat. "Revision - das klingt nach Buchhaltung, hat damit aber gar nichts zu tun", lacht sie. "Das Kraftwerk wird regelmäßig auf Herz und Nieren geprüft. In der jährlichen Kraftwerksrevision werden umfangreiche Instandhaltungs- und Prüftätigkeiten an verschiedensten Komponenten wie zum Beispiel Pumpen, Turbinen, Rohrleitungen und auch in elektrotechnischen Einrichtungen durchgeführt. Und es werden von langer Hand geplante Projekte zur ständigen Anlagenmodernisierung umgesetzt", erläutert sie. Antje Schröters Aufgabe ist die Detailplanung dieser Revisionen.
Als eine von vier Töchtern eines Ingenieurs steht für sie frühzeitig fest, dass sie einen technischen Beruf ergreifen wird. Nach dem mit einer Ausbildung zur Maschinenschlosserin verknüpften Abitur in Dresden studiert sie Kernenergietechnik. Nach der Wiedervereinigung steigt die heute 43-Jährige in das Hamburger Energieunternehmen ein - ihr Projekt: Sicherheitsanalysen.
"Über mehrere Stationen bin ich 2000 endlich in Krümmel gelandet, zu nächst allerdings als Leiterin der Materialwirtschaft." Bis sie ihre heutige Aufgabe, die Leitung der Revisionskoordination, übernehmen konnte, vergingen noch einmal sechs Jahre.
Bei ihrem Gang durch das Kraftwerk wirft Antje Schröter immer wieder prüfende Blicke auf einzelne Anlagenteile. Die Kommunikation mit den dort arbeitenden Menschen ist wichtig für eine erfolgreiche Arbeit. Als eher unangenehm empfindet sie es, wenn sie ernste Gespräche über die Arbeit führen muss - sie lobt lieber. Ihr nächstes Ziel sind die Kühlwasserrohre. Hier sind Fachleute dabei, die Beschichtung zu prüfen. "Intensive Vorbereitung ist alles", erklärt die Kernenergietechnikerin. "Eine Revision wird Monate vorher minutiös geplant." Macht es sie nervös, wenn nicht alles nach Plan läuft? Antje Schröder schmunzelt: "Nein, die Analyse möglicher Risiken gehört zu einer guten Vorbereitung. Über mögliche Gegenmaßnahmen machen wir uns Gedanken, bevor sie erforderlich werden."